Lehmwand und Dübel… 2 die nicht miteinander klarkommen

Ich wollte in meinem Shack einen Kabel-Kanal von der Decke nach unten verlegen bzw. befestigen, um die losen Kabel optisch verschwinden zu lassen. Was sich recht harmlos als Solches anhört, kann in einem Altbau mit Lehmwand zu einem wahren Abenteuer ausarten.
Ich habe lange überlegt, ob ich zu dieser Schönheits-Kosmetik im Shack einen Bericht schreiben soll. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass der eine oder andere OM in einem Altbau wohnend, sich des Öfteren schon gefragt hat, wie man einen Dübel in einer Lehmwand fest bekommt, ohne dass dieser ausbricht.

Lehmwand und Dübel… 2 Freunde, die nicht miteinander klarkommen
Nun ja, das Problem besteht darin, dass sich ein Dübel beim Hindrehen von Schrauben ausdehnt. Damit bekommt er seine Festigkeit.
Bei Lehmwänden ist das recht schwierig, da der Lehm beim Festdrehen der Dübel ausbricht, da der Lehm nicht genug Dehnfähigkeit besitzt und man somit auf normalem Wege keine Dübel in Lehmwänden fest bekommt.

Zwei Moderatoren (1) müssen her
Im klassischen Sinn ist ein Moderator (1) ja ein Vermittler. Damit der Dübel fest in der Lehmwand hält, müssen in diesem Fall sogar 2 Moderatoren herbei.
Ich verwende Wasser und dehnbarer Silikon- oder Fugenkleber als „Moderatoren“. Auf jeden Fall muss der Silikon- oder Fugenkleber dehnbar sein, sonst bricht der getrocknete Fugenkleber aus der Wand aus.
Wasser und Fugenkleber sorgen in Kombination nun dafür, dass der Dübel fest in der Wand hält.

Wie gehst du am besten vor?
Zuerst bohrst du ganz normal dein Loch in die Lehmwand. Mit einer Spritze und einer Nadel spritzt du jetzt ganz normales Wasser in das Bohrloch. Du darfst hier ruhig etwas mehr Wasser verwenden. Spritze innerhalb des Bohrloches von oben nach unten und von hinten bis nach vorne schön alles mit Wasser aus.
Generell gilt, sobald das Wasser aus dem Bohrloch herausläuft, hat der Lehm um das Bohrloch herum genug Wasser aufgenommen.
Mit einer Spritzpistole jetzt das Bohrloch großzügig mit dem Kleber auskleiden. Bitte nicht zu lange warten. Der umliegende Lehm, um das Bohrloch nimmt in aller Regel das eingespritzte Wasser recht schnell auf und trocknet auch recht schnell wieder ab, da er das Wasser in den umliegenden Lehm abgibt bzw. auch an die Luft wieder abgibt.
Wenn du den Kleber ins Bohrloch verfrachtet hast, dann schiebe recht schnell den Dübel hinterher und wische den überschüssigen Kleber ab.
Nun heißt es, 24 Stunden warten und den Dübel in der Wand nicht mehr anrühren!

Was passiert in den ersten 24 Stunden im Bohrloch?
Dadurch, dass du mit dem Wasser den Lehm im und um das Bohrloch herum aufgeweicht hast und das Bohrloch mit dehnbarem Fliesenkleber oder ähnlichem befüllt hast und den Plastikdübel ins Bohrloch geschoben hast, erschaffst du eine Art 2-Komponenten-Kleber.
Der aufgeweichte Lehm vermischt sich mit dem Kleber auf der einen Seite und härtet dort und am Plastikdübel selbst auf der anderen Seite aus.
Zusammen ergibt es eine fest, aber dehnbare Masse. Wenn du nach den ersten 24 Stunden die Schraube eindrehst, dehnt sich der Dübel aus und bekommt seine Festigkeit. Das Kleber-Lehm-Gemisch, rund um das Bohrloch, ist mittlerweile getrocknet und ist eine dehnbare Verbindung eingegangen.

Schrauben eindrehen
Die Schrauben kannst du, je nach Länge zuerst mit dem Akkuschrauber eindrehen, aber bitte nicht bis zum Ende, sonst überdrehst du die Schrauben mit dem Dübel und der Dübel löst sich wieder.
Die letzten Millimeter der Schraube bitte mit einem Schraubenzieher festziehen. Nur damit hast du das nötige Gefühl in den Knochen, damit die Schraube nicht überzogen wird.
Auch hier gilt die Handwerker-Weisheit: „Nach fest kommt ab!“

Schwerlast-Verbindungen im Lehm?
Bei diesen Aussagen bin ich vorsichtig. Beim Dübeln gilt ja, je tiefer das Bohrloch bzw. der Dübel in der Wand sitzt, umso mehr Gewicht kann er tragen.
Bei meiner Idee, mit dem hauseigenen 2-Komponenten-Kleber kann ich keine Gewähr geben, dass hier auch Schwerlast getragen werden kann.
Im Zweifelsfall empfehle ich daher mehr Dübel, je Quadrat-Zentimeter zu verwenden, um das zu tragende Gewicht pro Dübel zu verringern.

Vorher und Nachher
Nachfolgend zwei Bilder, Vorher/Nachher, von meiner Schönheits-Kosmetik im Shack. Zum Vergrößern, bitte auf die beiden Bilder klicken.
Oben an der Decke blitzt noch etwas das schwarze Kabel hervor. Dies ließ sich allerdings nicht verhindern, denn die Ecken und Decken sind in einem Altbau manchmal nicht so wirklich gerade bzw. im 90 Grad-Winkel.
Allerdings kannst du das schwarze Kabel mit etwas weißer Farbe bestreichen, falls dich das schwarze Kabel stört. Dann fällt das Kabel nicht mehr so stark auf.

Quellennachweis:
(1) = https://de.wikipedia.org/wiki/Moderator

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